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Vom Wasserstrom zum Angel-Hair-Effect
Eine besondere Form der fotografischen Praxis sind Langzeitbelichtungen von fließendem Wasser, deren Ergebnis zum Teil sehr surreale Welten sind. Um auf diesem Gebiet der Fotografie experimentieren zu können, benötigt man eine Kamera, welche Verschlusszeiten von mehreren Sekunden und länger ermöglicht. DSLR und digitale Kompaktkameras bieten im "Tv-Modus" (Zeitvorwahl, Blendenautomatik) Aufnahmezeiten von 15 - 30 Sek. was meist zu brauchbaren Ergebnissen führt. Frei wählbare Verschlusszeiten, im Rahmen von Minuten bis Stunden, sind jedoch der Idealfall. Hier sind DSLR klar im Vorteil, da diese i.d.R. den "Bulb-Modus" bieten. Sinnvoll einzusetzen ist letzterer nur bei einer Kamera, welche sich stabil und möglichst frei von Erschütterungen auf einem stabilen Stativ befindet und nach Vornahme aller Einstellungen über einen Kabel- oder Fernauslöser starten lässt.
Beim Druck auf den (Fern)Auslöser öffnet sich der Kameraverschluss und bleibt auch bis zum Loslassen der Auslösetaste offen. Meist lässt sich die Auslösetaste verriegeln, um bei extremen Belichtungszeiten ein entspannteres Arbeiten zu ermöglichen. Praktisch wird die Belichtungszeit im Bulb-Modus also nur von der Stromquelle der Kamera begrenzt. Draußen am Aufnahmeort sollten also möglichst eine Reihe von Batterien oder Akkus bereitliegen.
Wenn kein Stativ zur Verfügung steht, kann zur Lagerung von Kamera und Objektiv auch ein fester Untergrund wie Felsen oder umgekippte Bäume dienen. Hier sollte man sich jedoch der Gefahr bewusst sein, dass der gesamte Aufbau langsam verrutschen kann was letztlich zu Unschärfen führt. Im schlimmsten Fall kann die Kamera durch herunterfallen beschädigt werden.
Mit Tricks und Hilfsmitteln zum Ergebnis
Bilder, der hier besprochenen Art, haben statische und dynamische Inhalte. Statisch ist die Umgebung des fließenden Wassers, also Felsen, Steine oder das Grün des Waldes. Dynamisch ist die unaufhörliche Bewegung des fließenden Wassers.
Da alle Arbeiten bei Tageslicht erfolgen, muss die Belichtungszeit gezielt verlängert werden. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Grundsätzlich sollte mit geringen ISO-Zahlen gearbeitet werden. Die ISO-Zahl beschreibt die Lichtempfindlichkeit von Filmen bzw. des Chips in einer Digitalkamera. Bei Werten von 100 oder kleiner reagiert das Aufnahmemedium weniger empfindlich auf Licht. Die Folge ist eine längere Belichtungszeit. Nebenbei wird so auch das bei jeder Digitalkamera vorhandene Bildrauschen begrenzt, welches das fotografische Ergebnis, v.a. bei langen Belichtungszeiten, mehr oder weniger trüben kann. Durch Abblenden auf F14 oder weniger wird das Lichtsammelvermögen des Objektives begrenzt. Auch dies führt dazu, dass der Verschluss der Kamera länger geöffnet bleiben muss, um ein korrekt belichtetes Bild zu bekommen. Wenn auch dies nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, ist der Einsatz eines Neutralgraufilters (ND-Filter), vor dem Objektiv angebracht, ein sicherer Ausweg. ND-Filter sind in der Masse gefärbte Glas- oder Kunststoffscheiben, welche, je nach Filterdichte, eine erhebliche aber gleichmäßige Abdunkelung des Bildes verursachen.
Ob unter Verwendung einzelner "Tricks" oder einer Kombination mehrerer, das Ergebnis bleibt bei korrekter Umsetzung gleich. Der statische Inhalt des Bildausschnittes wird mit zunehmender Belichtungsdauer immer heller, während das Wasser (selbstverständlich) in Bewegung bleibt. So entsteht letztlich der Eindruck von zartem Nebel bei knackscharfer Umgebung.
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Belichtungszeit: 1 / 30 Sek.
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Belichtungszeit: 66 Sek.
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Blende: 14
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Blende: 14
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ohne Filter
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Filter ND3 (1000x)
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Neutralgraufilter und was sie bewirken
Die Stärke eines ND-Filters (Filterfaktor) wird in Blendenstufen oder seiner Dichte angegeben. Ein ND 0,6 (4fach) führt zu einer 4 mal längeren Verschlusszeit, da dieser nur ein Viertel des Lichts hindurchlässt. Ein solcher Filter würde also aus einer angenommenen "normalen" Belichtungszeit von 1/100 eine von 1/25 machen.
Mit zunehmender Filterstärke werden, durch den Mangel an Licht, die Kamerafunktionen immer weiter eingeschränkt. Ab einer bestimmten Dichte sind Belichtungsmessung und Autofokus nicht mehr verfügbar. Klar wird dies schon beim Hindurchsehen durch einen solchen Filter mit dem bloßen Auge.
Unter keinen Umständen darf ein Blick durch den Filter (auch nicht nur kurz) in Richtung der Sonne erfolgen. Diese Medien bieten keinen ausreichenden Schutz für das Auge.
ND-Filter im Vergleich
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Dichte des Filters (ND)
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Verlängerungsfaktor (Verschlusszeit)
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Reduktion (Blendenstufen)
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0,3
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2
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1
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0,6
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4
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2
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0,9
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8
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3
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1,8
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64
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6
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3,0
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1000
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10
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4,0
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10000
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13
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Skylightfilter (kein Lichtverlust)
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ND 0,9 (8x)
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ND 3 (1000x)
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Zum Verfahren unter Verwendung eines Neutralgraufilters
Wenn man den Aufnahmeort erreicht hat wird die Kamera auf ein Stativ montiert oder, wie besprochen, auf einem sicheren und festen Untergrund abgelegt. Ebenso sorgfältig sollte man anschließend den Bildausschnitt wählen. Ein ND-Filter ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor dem Objektiv angebracht. Als nächstes entscheidet man sich, mit der Kamera im Av-Modus (Blendenvorwahl, Zeitautomatik), für eine passende Blende. Da bei der hier besprochenen Arbeit eigentlich eine möglichst große Schärfentiefe erreicht werden soll, kommt nur Blende 14 oder kleiner in Frage. Ist die passende Blende eingestellt lässt man die Kamera die Belichtung messen (i.d.R. Auslöser halb durchdrücken) und merkt sich den angezeigten Wert. Eine Testaufnahme kann hilfreich sein, um den Bildausschnitt am Display der Kamera erneut zu begutachten und evtl. zu korrigieren. Anschließend wird am Objektiv der Autofokus deaktiviert.
Nun dürfen, was Brennweite und Bildausschnitt angeht, keine Veränderungen mehr vorgenommen werden. Der Graufilter wird vor das Objektiv geschraubt oder gesteckt und die Kamera auf manuellen Belichtungsmodus umgestellt. Nun muss exakt die Blende eingestellt werden, unter welcher die Kamera zuvor die Belichtungsmessung vorgenommen hat. Die manuelle Einstellung der Belichtungszeit ist abhängig von der Stärke des verwendeten ND-Filters.
Belichtungszeit mit Filter = ermittelte Belichtungszeit * Verlängerungsfaktor
Unter Verwendung eines ND 3,0 (1000fach) und einer angenommenen Belichtungsmessung (ohne Filter) von 1/125 wären für eine korrekte Belichtung 8 Sek. einzustellen. In wie weit man von den errechneten Werten abweicht hängt auch davon ab, ob das Ergebnis noch der Bildbearbeitung unterzogen werden soll.
Hat man vergessen, den Autofokus abzuschalten, wird die Kamera versuchen beim Auslösen scharf zu stellen, was natürlich, wie oben besprochen, scheitert. In diesem Fall muss der Filter vom Objektiv entfernt werden und ohne diesen erneut scharfgestellt werden. Dann ist wie gehabt zu verfahren. Die Aufnahme selbst wird unter Zuhilfenahme des Fernauslösers gestartet.
Zusammenfassung der Schritte
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Kamera sicher aufstellen
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Bildausschnitt festlegen
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im Av-Modus Blende wählen (ohne Filter)
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Belichtungszeit ermitteln (Auslöser halb durchdrücken)
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über Testaufnahme den Bildausschnitt kontrollieren
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Autofokus deaktivieren
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ND-Filter am Objektiv anbringen
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im manuellen Modus Blende (wie bei Av) wählen
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abhängig vom Filter Belichtungszeit errechnen und einstellen
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erschütterungsfrei auslösen (Fernauslöser)
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